Wenn der eigene Hund sich verändert
Unsere Reise mit Demenz
Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Demenz beim Hund verändert vieles – den Alltag, das Zusammenleben und auch die eigene Sicht auf den Hund.
Und oft bleibt eine Frage lange offen: Wann beginnt es eigentlich?
Rückblickend kann ich sagen, dass mir die ersten Zeichen bei meiner Hündin Prada gar nicht aufgefallen sind – oder ich habe sie einfach nicht mit Demenz in Verbindung gebracht.
Eines der ersten Dinge war, dass Prada plötzlich nicht mehr alleine bleiben konnte. Von einem Tag auf den anderen. Dabei war das früher nie ein Problem gewesen. Sie wurde unruhig, machte in ihr Körbchen, wirkte gestresst und hat sogar vor Stress die Türzarge beschädigt.
Ich stand davor und verstand einfach nicht, was da gerade passierte. Es ergab für mich keinen Sinn.
Erst viel später wurde mir klar, dass diese Veränderungen bereits Teil der Erkrankung waren.
Mit der Zeit kamen weitere Situationen dazu, die mich zunehmend verunsicherten.
Prada stand manchmal einfach in der Wohnung und schaute ins Leere.
Nachts wanderte sie durch die Räume, schlief kaum noch und wirkte orientierungslos. Während der Rest des Hauses zur Ruhe kam, wurde für sie die Nacht zum Tag.
Manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass sie mich in diesen Momenten nicht mehr richtig erkannte.
Ich selbst habe in dieser Zeit kaum geschlafen, war erschöpft und ehrlich gesagt auch völlig überfordert mit der Situation.
Natürlich bin ich mit ihr zum Tierarzt gegangen. Prada wurde wirklich von Kopf bis Fuß untersucht, doch körperlich war zunächst alles in Ordnung.
Erst nach weiteren Untersuchungen fiel schließlich die Diagnose: kognitives Dysfunktionssyndrom – Demenz beim Hund.
Der erste Versuch war Melatonin, um ihren Schlaf zu unterstützen. Leider zeigte das bei uns keine Wirkung. Danach bekam sie ein Medikament speziell für Demenz, das jedoch Zeit brauchte, um einen Spiegel aufzubauen.
In dieser Phase habe ich das Internet regelrecht durchforstet – auf der Suche nach Antworten, nach Erfahrungen, nach irgendetwas, das mir hilft zu verstehen, was gerade mit meinem Hund passiert. Aber vieles blieb oberflächlich oder unklar.
Und dann kam eine Situation, die mich wirklich erschüttert hat.
Von einem Moment auf den anderen bekam Prada eine Panikattacke.
Sie hechelte stark, war völlig außer sich, wollte nur noch weg, ließ sich nicht beruhigen und begann zu schreien.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Als ich davon beim Tierarzt berichtete, war er zunächst skeptisch. Doch kurze Zeit später trat genau so eine Situation wieder auf – und ich fuhr direkt mit ihr hin.
Sie bekam eine Paste zur Sedierung, die ihr in diesen Momenten helfen sollte.
Am Anfang hatte sie diese Panikattacken mehrmals im Monat.
Auch für Eddie war diese Veränderung im Alltag nicht leicht. Hunde spüren solche Situationen sehr genau.
Doch etwas hat mich in dieser Zeit tief berührt:
Wenn Prada eine Panikattacke hatte und nach der Sedierung langsam zur Ruhe kam, legte sich Eddie ganz ruhig zu ihr – auf die andere Seite – als würde er sie beschützen oder beruhigen.
Das war ein unglaublich berührender Moment für mich.
Mit der Zeit stabilisierte sich einiges durch die Medikamente, aber unser Leben hatte sich dennoch komplett verändert.
Mir wurde klar: Ich musste aktiv etwas tun.
Ich begann, mich intensiver mit verschiedenen Möglichkeiten zu beschäftigen. Unter anderem probierte ich CBD-Tropfen aus, die anfangs auch eine gewisse Unterstützung brachten – allerdings nicht dauerhaft.
Dann begann ich, mich noch intensiver mit der Ernährung zu beschäftigen.
Ich stellte ihre Nahrung noch einmal um und ergänzte gezielt einige Supplemente.
Und nach und nach begann sich etwas zu verändern.
Prada wurde wieder ruhiger, stabiler und auch wieder fröhlicher.
Die Panikattacken wurden seltener – zuerst vielleicht einmal im Monat, später noch weniger.
Durch die Kombination aus medikamentöser Unterstützung und einer angepassten Ernährung haben wir es tatsächlich geschafft, ihren Zustand deutlich zu stabilisieren.
Aber etwas war für mich mindestens genauso wichtig: die Akzeptanz der Situation.
Demenz verschwindet nicht einfach.
Man muss lernen, damit zu leben – und umzudenken.
Das ist am Anfang nicht leicht.
Doch wenn man diese Hürde überwindet, entstehen oft neue, sehr besondere Momente mit dem eigenen Hund.
Trotz der Erkrankung hatten Prada, Eddie und ich noch vier wunderschöne Jahre miteinander.
Vier Jahre voller Nähe, Anpassung, Verständnis und auch vieler glücklicher Momente.
Und genau deshalb liegt mir dieses Thema so am Herzen.
Nicht, um Angst zu machen – sondern um zu zeigen, dass man mit dieser Diagnose nicht allein ist und dass es Wege gibt, seinen Hund auch in dieser Lebensphase gut zu begleiten.
Wenn du ähnliche Veränderungen bei deinem Hund beobachtest und unsicher bist, wie du sie einordnen sollst, darfst du dich jederzeit bei mir melden.
Manchmal hilft schon ein Gespräch, um Situationen besser zu verstehen und den nächsten Schritt zu finden.